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Liebe Cineasten! Lest hier aktuelle und vergangene Berichte und Interviews rund um unser Filmprogramm und das Referententeam...



Interview mit David Sieveking, Regisseur von "David wants to fly"

Interview mit David Sieveking, Regisseur von "David wants to fly"

Ulm, den 28.05.2011 – Unser Helfer Oliver Hagel, selbst großer David Lynch Fan, hat anlässlich unserer Vorführung von David wants to fly den Regisseur des Filmes, David Sieveking, für uns interviewt. Hier für euch Olivers Fragen und David Sievekings Antworten!

Oliver: Es gibt schon arg viele Zufälle im Film, dass du genau dort bist, wo Lynch ist. Hast da ein wenig getrickst?
David: Zufällig begegne ich Lynch eigentlich nicht im Film, da es sich um Veranstaltungen, wo er angekündigt war oder um verabredete Interviews handelt. Einzig in Indien während Maharishis Beisetzung sind wir uns relativ zufällig über den Weg gelaufen, aber der Kreis der westlichen TM-Anhänger waren ein paar Hundert und man begegnete sich da zwangsläufig, wenn man es etwas darauf anlegte und versuchte zur rictigen Zeit am richtigen Ort zu sein. Das letzte Interview mit Lynch in New York konnte nur noch mit einem Trick entstehen, wie ich Film auch erkläre: Bei Lynch und TM in Ungnade gefallen konnten wir nur als Schweizer Fernsehteam getarnt noch einen Termin beim Meister bekommen...

Oliver: Wie stehst du eigentlich im Nachhinein zu Lynch? Hast du ihn eigentlich mal gefragt, wie sich seine düsteren Künstler-Visionen mit der positiven Grundeinstellung der TM vertagen?
David: Ich differenziere mittlerweile klar zwischen Lynch dem Künstler/ Filmemacher und der spirituellen Leitfigur, die er in seiner Rolle als Botschafter von TM einnimmt. Den Künstler und vor allem Filmemacher David Lynch verehre ich weiterhin und halte ihn da für sehr einflussreich, wenn auch aktuell seit langem nichts mehr so interessantes entstanden ist - als Meditations- und Friedensexperten finde ich ihn dagegen engstirnig und naiv. Seine düsteren Visionen vertragen sich mit seinem Werk wie Licht und Schatten, so erklärt er es selbst: Er zeigt das Finstere der Welt und wünscht sich das Licht – allerdings erscheint das Verhältnis umgekehrt. In seinen Filmen ist praktisch kein Platz fürs Paradies und bei TM wird keine Dunkelheit geduldet. So habe ich auch ein komisches unausgewogenes Gefühl, wenn ich diese beiden Bereiche in Lynchs Leben betrachte. In Wirklichkeit ist aber TM wie in meinem Film ja deutlich wird, gar keine Rosawolkenwelt, sondern wie Lynch's Filme voller Geheimnisse und düsterer Abgründe...

Oliver: Was ist aus dem rechtlichen Nachspiel geworden?
David: Es gab lediglich rechtliche Drohungen und Einschüchterungsversuche, keine konkreten rechtlichen Schritte bisher. Lynch hat allerdings persönlich versucht den Festivalchef der Berlinale zu überzeugen, meinen Film aus dem Programm zu nehmen – zum Glück erfolglos!

Oliver: Meditierst du noch bzw. sind Auswirkungen auf dein tägliches Leben geblieben?
David: Ich meditiere noch, aber mit meinem eigenen individuellen Mantra und auch nicht mehr dogmatisch nach TM-Regel täglich morgens und abends, sondern eher wenn ich denke, dass es sinnvoll ist. Viel lieber mache ich momentan Musik zur "meditativen" Versenkung. Wenn ich dazu täglich ne halbe Stunde Zeit finde, freut sich meine Seele. Tägliche Auswirkungen sind natürlich da, aber nicht so konkret messbar, ganz allgemein bin ich durch Meditation und die Beschäftigung mit Yoga bewusster geworden gegenüber den Zusammenhängen von Geist und Seele und bastele mir meine Spiritualität laufend neue zusammen mit der Grundüberzeugung, dass ich ein ewig Suchender bleiben werde...

Danke an Oliver Hagel und David Sieveking für dieses aufschlussreiche Interview!